Forschungsinstitut für Pigmente und Lacke, Stuttgart, FPLErgänzende Untersuchungen der Schutzeigenschaften von ausgewählten Lacksystemen auf der Basis einer Polyanilingrundierung gegenüber der Filiformkorrosion von Al-LegierungenAuftraggeber: Zipperling Kessler & Co(GmbH & Co).Autoren: Dr. T. Schauer, Dipl. Chem. A. Joos, E. PraschakStuttgart, 24.07.19961. Fragestellung und Ziel der UntersuchungenDie Filiformkorrosion von Al-Legierungen stellt ein bislang nicht gelöstes Problem dar, das großen Schaden unter anderem im Bereich der Al-Fassaden von Gebäuden verursacht. Die vorausgegangene Arbeit [1] zeigte, daß mit der Polyanilin-Grundierung ein effizienter Korrosionsschutz gegen Filiformkorrosion von Al-Legierungen erzielt werden kann. Es wurde allerdings festgestellt, daß die Effizienz des Schutzes ebenfalls durch den jeweils angewandten Decklack beeinflußt werden kann. Von Bedeutung können hier sowohl die Zwischenschichthaftung sowie die Eigenschaften des Decklackes alleine sein. Die durchgeführten Messungen stützten sich auf die Trocken- und Naßhaftfestigkeits-Untersuchungen sowie den Filiform-HCl-Test (in Anlehnung an DIN 65 472). In Ergänzung zu dieser Arbeit wurden auch andere Decklacke vergleichend untersucht und
zusätzlich einem Freibewitterungstest ausgesetzt. 2. Experimentelles2.1 SubstratDie Untersuchungen wurden an Panels aus AlMg1-Legierung (200 x 100 x 1,5 mm)
durchgeführt. Sie wurden mit Elektrokorund NK1 Nr. 100 der Fa. Würth gestrahlt und
anschließend in einem Gemisch aus Aceton, Ethylacetat und Xylol (1:1:1) entfettet. Die
Rauhigkeit der Oberfläche betrug Ra= 2,3 µm. 2.2 BeschichtungenDie Polyanilin-Grundierung 900226/19 wurde durch Luftdruckspritzen aufgebracht. Die Schichtdicke nach dem Trocknen betrug durchnittlich 17,7 ± 2,5 µm. Die Decklacke wurden nach Trocknung der Grundierung (24 h) aufgespritzt. Die Rezepturen waren vorgegeben und wurden nur zur Verbesserung der Spritzbarkeit mit Verdünner ergänzt.
Die Gesamtschichtdicke betrug durchschnittlich 200,7 ± 23,3 µm. 2.3 KlimatisierenDie beschichteten Panels wurden zur vollständigen Trocknung und Aushärtung der
Beschichtungen in einem Klimaraum bei konstanter Temperatur 23°C und 55 r. F. gelagert.
Der Zustand der Beschichtungen wurde durch Messung der Pendelhärte nach König (DIN 53
157, 1/87) beurteilt. 2.4 Messung der Trocken- und NaßhaftfestigkeitZur Messung der Trockenhaftfestigkeit wurden auf die Beschichtungen Stempel (7mm) mit einem 2K-Epoxidkleber fixiert und anschließend mit einem Abziehgerät der Fa. Instron abgezogen. Die Abreißkräfte wurden mit einem Meßwertaufnehmer erfaßt und aus fünf unabhängigen Messungen gemittelt. Zur Messung der Naßhaftfestigkeit wurden die Proben in destilliertem Wasser gelagert.
Zu bestimmten Zeitpunkten wurden die Proben entnommen und analog zur Messung der
Trockenhaftfestigkeit vermessen. Da durch die Wasserlagerung die Haftfestigkeit der
Beschichtung abfällt, konnten bei dieser Messung die Stempel mit einem handelsüblichen
Sekundenkleber auf der Beschichtung fixiert werden. 2.5 Messung der FiliformkorrosionDie Untersuchung der Filiformkorrosion erfolgte nach der HCl-Methode in Anlehnung an
DIN 65 472 [2]. Die beschichteten Panels, jeweils drei Stück für jede Beschichtung,
wurden mit einem Ritzstichel nach Sikkens angeritzt und in einer Kammer mit
Salzsäuredämpfen eine Stunde lang angeimpft. Nach der Entnahme aus der Kammer ließ man
die Panels noch eine Stunde an der Raumluft stehen. Anschließend erfolgte eine 6 Wochen
lange Lagerung der Panels in einer Klimakammer bei 40°C und 82% r. F. Die Auswertung
wurde unter Einbeziehung der Bildanalyse und der in [2] angegebenen Bewertungsstufen
durchgeführt. Es liegen fünf Bewertungsstufen vor, die ein bestimmtes Verhältnis
zwischen der durch die Filiformkorrosion befallenen Oberfläche und der Ritzlänge
vorsehen. Die Bewertungsstufe I entspricht dem effizientesten Korrosionsschutz
(Flächenwert 0,0 0,5 mm2/cm) und die Bewertungsstuffe V dem schlechtesten
Korrosionsschutz (Flächenwert > 25 mm2/cm). 2.6 FreibewitterungJeweils zwei Panels je Decklacksystem wurden am 03.05.96 in Hoeck van Holland dem dortigen Klima und sonstigen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Die Beschichtungen wurden eingeritzt und die Panels auf der Rückseite mit einer Klebfolie und die Kanten zusätzlich mit einem Schutzlack versehen. Für die Freibewitterung ist ein Zeitraum von mindestens zwei Jahren vorgesehen. Die
erste Kontrolle der Panels wird in Oktober 1996 erfolgen. 3. Meßergebnisse3.1 Pendelhärte nach KönigDie Ergebnisse der Pendelhärtemessungen nach König sind in Abb. 1 dargestellt.
Abb. 1 Pendelhärte nach König für die untersuchten Beschichtungen Es fällt auf, daß die Pendelhärte des 'Decklack 1'-Lacks viel größer ist als die der beiden übrigen Lacke. Für den 'Decklack 1'-Lack stellt sich allerdings die Endhärte relativ langsam ein und erreicht den nahe stabilen Wert erst nach ca. 30 Tagen, der 'Decklack 1'-Lack wurde mit einem Amin-Härter ausgehärtet. Für die übrigen Lacke fand die größte Veränderung der Härte innerhalb der ersten 12 Tage nach dem Aufbringen statt. Die erhaltenen Werte der Pendelhärte stimmen gut mit denen der früheren
Untersuchungen überein [2]. 3.2 Trocken- und NaßhaftfestigkeitDie Ergebnisse der Trocken- und Naßhaftfestigkeits-Messungen sind in Abb. 2 graphisch
zusammengestellt.
Abb. 2 Trocken- und Naßhaftfestigkeit der untersuchten Lacke Die Trockenhaftfestigkeitswerte, die den Werten beim Zeitpunkt 0 entsprechen, weisen auf eine gute Haftung aller drei untersuchten Lacksysteme hin, wobei der höchste Wert für den 'Decklack 2'-Lack ermittelt wurde. Unter Beanspruchung mit Wasser läßt die Haftung aller Lacksysteme nach, hier zeichnet sich der 'Decklack 3'-Decklack durch den stärksten Abfall der Haftung aus, für diesen Lack wurde nach 320 h Wasserlagerung die Abreißfestigkeit gemessen, die nahe an der Vollenthaftung (2 bis 3 MPa) liegt. Ein weiterer Anstieg der Haftung hängt mit Regenerierungsprozessen zusammen. Für den 'Decklack 1'-Lack wurde generell die stabilste Naßhaftfestigkeit gefunden. 3.3 FiliformkorrosionDie Ergebnisse des Filiformkorrosions-Tests nach der HCl-Methode sind in der Tabelle 1
zusammengestellt. Tabelle 1 Ergebnisse des Filiformkorrosions-Tests nach der HCl-Methode
Die Auswertung der Meßergebnisse erfolgte durch das Abbilden der durch die Filiformkorrosion angegriffenen Stellen und die anschließende Bildanalyse. In Abb. 3 ist beispielhaft das Aussehen der am stärksten durch die Filiformkorrosion angegriffenen Panels wiedergegeben.
Abb. 3 Graphische Wiedergabe der Oberfläche der Panels nach dem HCl-Test Es ist ersichtlich, daß der 'Decklack 1'-Lack über sehr gute Schutzeigenschaften gegenüber der Filiformkorrosion verfügt. Von den übrigen Lacken zeigte 'Decklack 2' eine deutlich bessere Schutzeffizienz. 4. DiskussionErfahrungsgemäß ist der effiziente Schutz gegenüber der Filiformkorrosion von Eigenschaften des gesamten Lacksystems abhängig. Es wurde bislang nicht geklärt, welche Parameter dieses Systems sich hier maßgebend auswirken können. Betrachtet werden allerdings solche Parameter wie die Haftfestigkeit, Porosität und Korrosionsschutzeigenschaften der Grundierung, die Zwischenschicht-Haftfestigkeit sowie die Porosität und Barriereeigenschaften des Decklacks. Im Rahmen einer früheren Arbeit konnte ein effizienter Korrosionsschutz gegenüber der Filiformkorrosion mit einer Polyanilingrundierung und einem Epoxid-Decklack festgestellt werden. In der vorliegenden Arbeit sollte geklärt werden, ob gleiche Korrosionsschutzeffekte auch mit anderen Decklacken zu erreichen sind und welche Parameter der Lacke hier von Bedeutung sind. Untersucht wurden zwei Epoxid-Decklacke, die sich nach dem Härter unterschieden: 'Decklack 1', aminhärtend, sowie 'Decklack 2', amidhärtend, und ein Polyurethan-Lack: 'Decklack 3'. Die Pendelhärteuntersuchungen zeigten, daß der 'Decklack 1'-Decklack über eine wesentlich höhere Härte verfügt als die übrigen Lacke. Die erhöhte Härte weist in der Regel auf eine gute Vernetzung des Bindemittels sowie gute Barriereeigenschaften und eine geringe Permeabilität der Beschichtung hin. Aus den übrigen Untersuchungen, nämlich der Haftfestigkeitsmessung und dem HCl-Test
geht eine gute Korrelation zwischen einem effizienten Korrosionsschutz gegenüber der
Filiformkorrosion (I Bewertungsstuffe) und einer relativ stabilen Naßhaftfestigkeit für
den 'Decklack 1'-Decklack hervor. Sowohl 'Decklack 2' als auch 'Decklack 3' wiesen eine
schlechtere Naßhaftfestigkeit auf, für diese Decklacke wurden ebenfalls schwächere
Schutzeigenschaften gegenüber der Filiformkorrosion festgestellt. 5. Schlußfolgerung
6. Literatur
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