Forschungsinstitut für Pigmente und Lacke, Stuttgart, FPLÜberprüfung der Kompatibilität von ausgewählten Decklacken mit dem Primer 900226/32Auftraggeber: Zipperling Kessler & Co(GmbH & Co).Autoren: Dr. T. Schauer, Dipl. Chem. A. Joos, E. PraschakStuttgart, 24.07.19961. Fragestellung und Ziel der UntersuchungenBeim Korrosionsschutz von Stahl mit organischen Beschichtungen sind mehrere Faktoren von Bedeutung. Die Eigenschaften der Grundierung wie die Haftung, Porosität und die direkte Inhibition der Korrosionsreaktionen spielen hier die bestimmende Rolle. Solche Faktoren wie die Zwischenschicht-Haftung, Porosität und Härte des Decklacks sind ebenfalls als wichtige Einflußgrößen anzusehen. Das Ziel dieser Arbeit war die Prüfung der Kompatibilität von Decklacken auf der
Basis von unterschiedlichen Bindemitteln mit dem Polyanilinprimer. Gemessen werden soll
die Pendelhärte, Trocken- sowie Naßhaftfestigkeit. Für ausgewählte Decklacke sollen
zusätzlich der Salzsprühtest und die Freibewitterung durchgeführt werden. 2. Experimentelles2.1 SubstratAls Substrat dienten Karosseriestahl-Panels (150x80x1,5 mm) der Fa. Mercedes-Benz. Die
Panels wurden mit Elektrokorund NK 1 Nr. 100 der Fa. Würth gestrahlt und anschließend in
einem Gemisch aus Aceton, Ethylacetat und Xylol (1:1:1) entfettet. 2.2 BeschichtungenDer Polyanilinprimer 900226/32 wurde durch Luftdruckspritzen aufgebracht. Die Schichtdicke nach dem Trocknen betrug durchschnittlich 27,7 ± 2,5 µm. Die Decklacke wurden nach Trocknung der Grundierung (24 h) aufgespritzt. Die Rezepturen
waren vorgegeben und wurden nur zur Verbesserung der Spritzbarkeit mit Verdünner
ergänzt. In der Tabelle 1 sind Rezepturen der Decklacke und die Schichtdicken angegeben.
Es wurden insgesamt sechs Zweischicht- und zwei Dreischicht-Systeme hergestellt. 2.3 KlimatisierenDie beschichteten Panels wurden zur vollständigen Trocknung und Aushärtung der
Beschichtungen in einem Klimaraum bei konstanter Temperatur 23°C und 55% r. F. gelagert.
Der Zustand der Beschichtungen wurde durch Messung der Pendelhärte nach König (DIN 53
157, 1/87) beurteilt. 2.4 Messung der Trocken- und NaßhaftfestigkeitZur Messung der Trockenhaftfestigkeit wurden auf die Beschichtungen Stempel (7mm) mit
einem 2K-Epoxidkleber fixiert und anschließend mit einem Abziehgerät der Fa. Instron
abgezogen. Die Abreißkräfte wurden mit einem Meßwertaufnehmer erfaßt und aus fünf
unabhängigen Messungen gemittelt. Tabelle 1 Rezepturen und Schichtdicken von untersuchten Decklacken auf dem Polyanilinprimer
*Zwischenschichtdicke, **Gesamtschichtdicke Zur Messung der Naßhaftfestigkeit wurden die Proben in destilliertem Wasser gelagert.
Zu bestimmten Zeitpunkten wurden die Proben entnommen und analog zur Messung der
Trockenhaftfestigkeit vermessen. Da durch die Wasserlagerung die Haftfestigkeit der
Beschichtung abfällt, konnten bei dieser Messung die Stempel mit einem handelsüblichen
Sekundenkleber auf der Beschichtung fixiert werden. 2.5 Salzsprühtest gemäß DIN 50021-SSDrei Zweischicht-Systeme: 'Decklack 1', 'Decklack 5' und 'Decklack 6' wurden dem Salzsprühtest unterworfen. Jeweils zwei Panels für jedes System wurden mit einem Ritzstichel nach Sikkens eingeritzt. Die Rückseite der Proben wurde mit einer Klebfolie und die Kanten zusätzlich mit einem Schutzlack versehen. Die so vorbereiteten Panels wurden in einer Sprühkammer der Fa. Erichsen permanent mit einer NaCl-Lösung (50g NaCl pro 1l Wasser, pH 7) besprüht. Die Kammer wurde während des Tests auf 35°C erwärmt. Zu bestimmten Zeitpunkten wurden die Panels entnommen und visuell die Unterwanderung
(DIN 53 167), der Blasengrad (DIN 53 209) und der Rostgrad (DIN 53 210) beurteilt. 2.6 FreibewitterungJeweils zwei Panels von gleichen Decklacksystemen wie beim Salzsprühtest wurden am 03.05.96 in Hoeck van Holland dem dortigen Klima und sonstigen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Die Beschichtungen wurden eingeritzt und die Panels auf der Rückseite mit einer Klebfolie und die Kanten zusätzlich mit einem Schutzlack versehen. Für die Freibewitterung ist ein Zeitraum von mindestens zwei Jahren vorgesehen. Die
erste Kontrolle der Panels wird in Oktober 1996 erfolgen und die Ergebnisse dem
Auftraggeber vorgelegt. 3. Meßergebnisse3.1 Pendelhärte nach KönigDie gemessenen Pendelhärtewerte sind für Zweischicht-Lacksysteme in Abb.1 und für Dreischicht-Lacksysteme in Abb. 2 zusammengestellt. Aus der Abb. 1 geht hervor, daß die Pendelhärte der untersuchten Lacksysteme stark vom jeweiligen Decklack abhängig ist. Es läßt sich eine bestimmte Reihenfolge der Decklacke nach ihrer Pendelhärte aufstellen: 'Decklack 1' > 'Decklack 4' > 'Decklack 6' > 'Decklack 5' > 'Decklack 3' > 'Decklack 2' Betrachtet man die jeweiligen Bindemmitel, so stellt man fest, daß es sich keine allgemeine Abhängigkeit zwischen der Art des Bindemittels und der Pendelhärte aufstellen läßt, ein Epoxid-Decklack ('Decklack 1') weist z.B. die höchsten Pendelhärte-Werte auf, gleichzeitig ist ein anderer Epoxid-Decklack ('Decklack 2') durch die niedrigsten Pendelhärte-Werte charakterisiert. Es ist ersichtlich, daß sowohl die zeitlichen Veränderungen wie die Endwerte der Pendelhärte für jeden eingesetzten Decklack unterschiedlich sind und müssen jeweils verfolgt werden. 3.2 Trocken- und NaßhaftfestigkeitDie Ergebnisse der Trocken- und Naßhaftfestigkeits-Messungen sind in den Abbildungen 3 bis 6 graphisch zusammengestellt. Betrachtet man die Trockenhaftfestigkeit (Zeitpunkt der Messung: 0), so bilden die untersuchten Lacksysteme die folgende Reihe: 'Decklack 3' > 'Decklack 5' > 'Decklack 4' > 'Decklack 1'/'Decklack 4' > 'Decklack 2' > 'Decklack 1'/'Decklack 3' > 'Decklack 1'>'Decklack 6'.
Abb. 1 Pendelhärte nach König für die untersuchten Zweischicht-Lacksysteme
Abb. 2 Pendelhärte nach König für die untersuchten Dreischicht-Lacksysteme Werden die Lacksysteme durch Tauchen in Wasser beansprucht und die Änderungen der Haftfestigkeit verfolgt, so erhält man zusätzliche Informationen über die Beständigkeit der untersuchten Systeme, wobei Aussagen über die Kompatibilität des Polyanilinprimers und des jeweiligen Lackes ebenfalls gemacht werden können. In Abb. 3 sind die Abreißfestigkeitswerte für 'Decklack 3'- und 'Decklack 1'/'Decklack 3'-Lacksysteme dargestellt.
Abb. 3 Trocken- und Naßhaftfestigkeit von 'Decklack 3'- und 'Decklack 1'/'Decklack 3'-Lacksystemen; KD - Kohäsionsbruch im Decklack, KG - Kohäsionsbruch in der Grundierung, ZB - Zwischenschichtbruch im Bereich der Decklacke Für den 'Decklack 3'-Decklack auf dem Polyanilinprimer konnten lediglich die Kohäsionsbrüche in der ersten Phase der Untersuchung festgestellt werden. Mit der Zeit zeigte sich eine steigende Tendenz zur Verschiebung der Bruchstelle in die Grundierung hinein. In der Endphase der Untersuchung wurden bereits 50% des Bruches in der Grundierung beobachtet, es fand allerdings kein Adhäsionsbruch statt. Die Ergebnisse weisen auf eine generell gute Kompatibilität des 'Decklack 3'/Polyanilinprimer-Systems auf. Für dieses System, jedoch mit einer zusätzlichen 'Decklack 1'-Zwischenschicht, wurde ebenfalls kein Adhäsionsbruch beobachtet; im Laufe der Messungen machte sich allerdings eine schwächere Zwischenschichthaftung zwischen 'Decklack 1'- und 'Decklack 3'-Decklack bemerkbar. In Abb. 4 sind die Ergebnisse der Trocken- und Naßhaftfestigkeit für 'Decklack 4'-
und 'Decklack 1'/'Decklack 4'-Lacksysteme zusammengestellt. Für diese Systeme konnte eine
noch bessere Kompatibilität zwischen dem Polyanilinprimer und dem 'Decklack 4'-Decklack
festgestellt werden, es konnten keine Adhäsionsbrüche nachgewiesen werden, die
Enthaftung fand hauptsächlich im Bereich des Decklackes statt. Es wurde ebenfalls eine
gute Haftung zwischen 'Decklack 1' und 'Decklack 4' festgestellt.
Abb. 4 Trocken- und Naßhaftfestigkeit von 'Decklack 4'- und 'Decklack 1'/'Decklack 4'-Lacksystemen; KD - Kohäsionsbruch im Decklack, KG - Kohäsionsbruch in der Grundierung Für die Beschichtungssysteme 'Decklack 1' und 'Decklack 2' sind die Abreißfestigkeitswerte in Abb. 5 dargestellt. Für die beiden Systeme konnte eine gute Kompatibilität festgestellt werden, es traten keine Adhäsionsbrüche ein, wobei die Bruchstelle vorwiegend im Bereich des Decklackes lag. Abb 6 stellt die Ergebnisse der Haftfestigkeitsmessungen für 'Decklack 5'- und 'Decklack 6'-Systeme dar. Für 'Decklack 5' wurde, trotz des hohen Trockenhaftfestigkeitswertes, eine deutliche Beeinträchtigung der Naßhaftfestigkeit des Polyanilinprimers festgestellt. In der Endphase der Untersuchung konnte fast ausschließlich der Adhäsionsbruch beobachtet werden, wobei die absoluten Werte der Abreißfestigkeit sich noch über der Grenze der vollständigen Delamination aufhielten. Für das 'Decklack 6'-System wurden von vornherein relativ niedrige Abreißfestigkeitswerte, bei einem überwiegenden Kohäsionsbruch im Decklack erfaßt. Mit der Zeit verschob sich die Bruchstelle immer mehr in die Phase der Grundierung hinein. Die niedrigen Werte der Abreißfestigkeit zeigen, daß der Polyanilinprimer und der 'Decklack 6' nicht kompatibel sind und daß sich die schwache Stelle dieses Systems im Grenzbereich zwischen beiden Beschichtungen befindet. Dort diffundiert Wasser überwiegend hinein, und führt zu einem vorzeitigen Kohäsionsbruch. Bei diesem System ist eine beschleunigte Blasenbildung zu erwarten.
Abb. 5 Trocken- und Naßhaftfestigkeit von 'Decklack 1'- und 'Decklack 2'-Lacksystemen; KD - Kohäsionsbruch im Decklack, KG - Kohäsionsbruch in der Grundierung
Abb. 6 Trocken- und Naßhaftfestigkeit von 'Decklack 5'- und 'Decklack 6'-Systemen; KD - Kohäsionsbruch im Decklack, KG - Kohäsionsbruch in der Grundierung, AB - Adhäsionsbruch 3.3 SalzsprühtestDer Salzsprühtest wurde an angeritzten Panels für drei Lacksysteme - 'Decklack 1', 'Decklack 5' und 'Decklack 6' durchgeführt. Beurteilt wurde die Unterwanderung, Blasenbildung und der Rostgrad. Die Ergebnisse dieses Tests sind in Tabelle 2 zusammengestellt. Tabelle 2 Ergebnisse des Salzsprühtests nach DIN 50021-SS
*U - Unterwanderung (DIN 53 167), **B - Blasenbildung (DIN 53 209), ***R - Rostgrad (DIN 53 210), k**** - keine Die Untersuchung zeigte, daß alle drei Lacksysteme einen sehr effizienten
Korro-sionsschutz sowie eine vollständige Unterdrückung der Unterwanderung über die
Dauer von über 1000 h gewährleisteten, dies ist als ein Indiz auf die guten
Korrosionsschutzeigenschaften des Polyanilinprimers anzusehen. Für den 'Decklack 6'
konnte allerdings eine erhebliche Neigung zur Blasenbildung festgestellt werden, die sich
bereits nach 72 h bemerkbar machte. Das Gleiche betrifft den 'Decklack 5'-Decklack, wobei
hier die Blasenbildung erst nach 337 h beobachtet werden konnte. Die Ergebnisse des
Salzsprühtests weisen generell auf eine jeweils notwendige Überprüfung der
Kompatibilität des Polyanilinprimers und des Decklackes hin. 4. Schlußfolgerung
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